Stellungnahme zum Beitrag von Herrn Althoff am 29.6.2019 „Warum kein Zaun…“

Ach herrje, Herr Althoff: Was lassen Sie ihre Leserinnen und Leser uninformiert zurück. Empörungsjournalismus in Reinform bedeutet: Halbwahrheiten zu kommunizieren und dann auf die uninformierte Empörung der Leser zu setzen. A la: „Politiker sind doof“ geht immer! Und das, obwohl sie gar nicht im Ausschuss anwesend waren.

Wenn man ihren Beitrag liest, soll man anscheinend zum Eindruck gelangen, dass ahnungslose Kommunalpolitiker einen Zaun im Stadtpark aufstellen wollen und sich der irrigen Annahme hingeben, dass damit alle Probleme des Stadtparks gelöst seien. So weit, so unerfreulich und unwahr lässt er doch die Menschen vollkommen unzureichend informiert zurück und bedient lediglich die derzeitig populäre Ansicht: Politker sind eh alle doof und wissen nicht, was sie tun.

Wie bitter dies insbesondere für ihre Leserinnen und Leser ist, möchte ich gerne aufzeigen, damit die Menschen dieser Stadt erkennen, dass das, was über ihre Zeitung verbreitet wird, mitunter Stückwerk ist.

Es ist schade, dass Ihre Leserinnen und Leser nicht erfahren, dass wir bereits vor Jahren „Geld in die Hand genommen haben“, um Sozialarbeiter für die Arbeit in und um den Stadtpark über den VSI zum Einsatz zu bringen. Zwei halbe Stellen wurden geschaffen, um zum einen die so genannte Stadtparkszene in Form von aufsuchender Sozialarbeit zu betreuen und zum anderen auch für die Anwohner und Gewerbetreibenden Ansprechpartner zu sein.

Wie schade, dass sie ihren Leserinnen und Leser vorenthalten, dass es nie im Sinne der Politik war, die Menschen irgendwo hin zu verbannen, sondern dass das ganze Gegenteil von Anfang an unserer Beratungen und Beschlussfassungen geprägt hat. Wir wollten immer erreichen, dass durch die sozialarbeiterische Betreuung und Begleitung zumindest ein wenig mehr Ruhe in eine Situation kommt, die nicht nur in Schwerte ein großes Problem darstellt.

Oder dient die verkürzte Darstellung einem Empörungsjournalismus, der zum Ziel hat, dass in der anschließenden Woche die Leserbriefe das füllen, was normalerweise durch gut recherchierte Artikel zur umfangreichen Information beitragen sollten.

Es ist schade, dass Ihre Leserinnen und Leser nicht erfahren, dass die Stadtparkszene nicht nur aus Menschen mit Alkohol und -Drogenproblemen besteht und sich das Problem gerade in Schwerte dadurch zuspitzte, da mehrere Ärzte in um- und fernliegenden Städten ihre Tätigkeit im Bereich der Substitution einstellten.

Es ist schade, dass ihre Leser nicht erfahren, dass in Sichtweite der Schulkinder auch mit Drogen gedealt wird und es eben nicht – in der von ihnen verkürzten Weise – um ein gesellschaftliches Phänomen des Alkoholkonsums geht, der einmal gebillgt und einmal verurteilt wird.

Das Abwägen, das Bewerten und das Ringen konnten Sie im Ausschuss leider nicht erleben, da sie im Schwerter Sozialausschuss, also dem Generationenausschuss, kaum zugegen sind. Auch am vergangenen Donnerstag interessierte Sie unser Ringen um Lösungen nicht. Sie interessierten sich auch nicht dafür, dass der VSI, der mit der Betreuung beauftragt ist, sein Betreuungs- und Begleitungs-Konzept für den Sommer 2019 vorgetragen hat.

Bereits vor der Sitzung stellten Sie bei Facebook dar, dass wir lediglich auf die Versetzung der Bänke und die Errichtung eines Sichtschutzzauns im Ausschuss setzen. Sie nehmen noch nicht einmal an der Beratung teil, um zu urteilen und das finde ich als Ausschussvorsitzende bedauerlich.

Auch, dass Sie in diesem Zusammenhang nicht darüber berichten, dass wir bereits in vergangenen Generationenausschussitzungen die Einrichtung einer Anlaufstelle und die vorübergehende Ausstattung der Anlaufstelle im Rathauskeller, die die gesamten Wintermonate unter sozialarbeiterischer Begleitung geöffnet war, beschlossen haben, ist traurig.

Natürlich erfährt auch keiner ihrer Leserinnen und Leser, dass wir mehrfach – unter Beteiligung der Polizei, des Ordnungsamtes und vieler freier Träger, wie der Drogenberatungsstelle etc., getagt haben und den Runden Tisch Stadtparkszene ins Leben gerufen haben, um die Problematik rund um den Stadtpark aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten und Probleme zu lösen.

Mit Bild und Wort trifft man Ruhrnachrichten dort an, wo Stein auf Stein gesetzt wird. Dort aber, wo wir (sicherlich nicht perfekt) aber um ein liebens – und lebenswertes Schwerte bemüht sind, sind sie in den seltensten Fällen – trotz Einladung – anwesend.

So hat ihre Berichterstattung leider das Hören-Sagen zu oft als Grundlage, was selbstverständlich ausgesprochen schade ist, denn so erfahren Menschen lediglich Stückwerk-Wahrheit. Leider!

Auch deshalb habe ich Sie in den vergangenen Monaten als Redaktion in den Ausschuss eingeladen und darauf hingewiesen, dass auch Sozialthemen für unsere Menschen wichtig sind. Beispielsweise das Ringen um kostenlose Räumlichkeiten für Selbsthilfegruppen, die Erneuerung des Senioren- und Behindertenwegweisers, die Verbesserung der Ambulanten Palliativversorgung, die generationsübergreifende Sozialraumentwickliung, die Schwerter Seniorenkonferenz zum Thema pflegende Angehörige, die im kommenden Jahr zum ersten Mal stattfinden wird. Haben Sie jemals dargestellt, dass wir parteiübergreifend im Generationenausschuss viele Themen im Sinne der Menschen vorangebracht haben? Dass wir von Pontius zu Pilatus gelaufen sind, um das Thema Ambulante Palliativversorgung in Schwerte für alle Menschen zu verbessern und dies auch erreicht haben.

Wir alle tragen in Zeiten der verkürzten Information große Verantwortung dafür, dass diese Verkürzung nicht zur Regel wird. Insofern sollte es nicht die Regel werden, dass ohne den Ausschuss zu besuchen, bereits einen Tag vor dessen Sitzung verkürzte Informationen dazu beitragen, Empörungskommunikation zu befördern.

Hier nun abschließend eine kleine – nicht abschließende Übersicht – über einige der beschlossenen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Stadtparkszene:

  • Die bereits erwähnten Sozialarbeiter wurden eingestellt und betreiben aufsuchende Sozialarbeit
  • Vertreterinnen und Vertreter des VSI tragen jährlich im Ausschuss ihre Ergebnisse vor und wir beraten über weitere Maßnahmen;
  • die Etablierung einer Anlaufstelle wurde beschlossen;
  • Prüfung von etwaigen Anlaufstellen;
  • gemeinsam mit Teilen der sog. Stadtparkszene, Gewerbetreibenden und Anwohnern wurde ein Vor-Ort-Termin wahrgenommen;
  • Aktionen wie beispielsweise das gemeinsame Sammeln der Kronkorken wurde durchgeführt;
  • Etablierung eines Runde Tisches Stadtparkszene unter Einbeziehung der Polizei, Ordnungsamt, freien Trägern, Drogenberatungsstelle etc.
  • der Rathauskeller wurde als Anlaufstelle mit Sozialarbeitern in den Wintermonaten geöffnet;
  • die Anlaufstelle wurde mit Küche, Waschmaschine etc. ausgestattet;
  • Prüfung weiterer von der Stadtparkszene selbst gewünschten Orte

Bianca Dausend
CDU-Kommunalpolitikerin &Vorsitzende des Generationenausschusses
im Rat der Stadt Schwerte